Cillian O’Sullivan: Vorsprechen für Chauncey

Wie Cillian O’Sullivan Chauncey in In from the Cold nach einem schwachen ersten Versuch und einem Self-Tape ohne Callback bekam.

Cillian O’Sullivan zog von Irland nach New York und hatte bereits Lebenslauf, Showreel und eine Vertretung in Großbritannien im Gepäck. Durch amerikanische Türen kamen viele Vorsprechen, aber keine Buchungen. Ein unerwartetes Angebot für Bull veränderte dann den Druck, den er in den Castingraum mitnahm. Später drehte er während eines anderen Jobs einen ersten Versuch als Chauncey, den er selbst als zu albern und unbeholfen einschätzte. Eine zweite Chance mit dem vollständigen Drehbuch auf dem Tisch führte zur männlichen Hauptrolle in der Netflix-Serie In from the Cold.

Kurze Antwort: O’Sullivan bekam Chauncey, weil er den Zwang zu beeindrucken losließ, die Macht des Charakters genauer las und diese Interpretation im Self-Tape klar vertrat.

Von Irland zu den Vorsprechen in New York

Nach dem Umzug nach New York unterschrieb O’Sullivan bei der amerikanischen Agentur Buchwald. Er hatte bereits ein Showreel, einen Lebenslauf, Berufserfahrung in Großbritannien und wurde dort von Jonathan Arun Group vertreten. Trotzdem ging er zu vielen spannenden Vorsprechen, ohne gebucht zu werden. In jedem Castingraum spürte er den Druck, entweder den Job zu bekommen oder so stark aufzufallen, dass man ihn erneut einlädt.

Dann brachten ihm seine Agenten ohne Vorsprechen ein Angebot für eine Gastrolle in Bull. Das unerwartete Angebot half ihm zu akzeptieren, dass die letzte Entscheidung nicht in seiner Hand lag. Dieser Wechsel garantierte keine Arbeit, gab ihm aber mehr Freiheit für seine eigene Lesart. Danach folgten Gastrollen in The Blacklist und Chicago P.D..

Ein erster Versuch in die falsche Richtung

O’Sullivan arbeitete an FBI: Most Wanted, als das erste Vorsprechen für In from the Cold eintraf. Ohne Zeit, vor dem Versuch das gesamte Drehbuch zu lesen, spielte er Chauncey nach eigener Aussage sehr albern und unbeholfen. Das dokumentierte Problem war keine einzelne Geste oder Betonung. Seine grundlegende Idee der Figur verfehlte das Machtverhältnis.

Die praktische Lektion liegt auf den Seiten: Trenne bei Zeitdruck Belege von Erfindungen. Lege die Szenen auf einen Tisch, kreise Handlungsverben ein und notiere, wer jeden Austausch kontrolliert. Wenn das vollständige Drehbuch fehlt, behandelst du deine Annahmen als vorläufig.

Das ganze Drehbuch und das entscheidende Self-Tape

Einige Zeit später meldeten seine britischen Agenten, dass die Produktion ihre Suche auf Großbritannien ausweitete. O’Sullivan drehte gerade keine Serie und konnte das ganze Drehbuch lesen. Nun verstand er Chauncey als extrem dominanten Mann, der anderen ständig seine Macht zeigt, also als Gegenteil seiner ersten Version.

Mit diesem Ansatz nahm er das Self-Tape auf und bekam die Rolle. Es gab weder einen Callback noch einen Chemietest. Als seine Agenten am Telefon die männliche Hauptrolle meldeten, war er überrascht, dass ein Video genügt hatte. Dieser ungewöhnliche Ablauf macht ein Self-Tape nicht zum Zauberticket. Er zeigt, warum eine klare Entscheidung verständlich bleiben muss, nachdem die Datei dein Zimmer verlassen hat.

Was das Showreel ergänzte

Showrunner Adam Glass erzählte O’Sullivan später, er habe Thumb Wars gesehen, einen Kurzfilm von Lisa Keogh, den der Schauspieler Jahre zuvor in Belfast gedreht hatte. Das Chauncey-Tape zeigte die nötige schroffe Seite. Der Kurzfilm, in dem O’Sullivan fast keinen Text hatte, lieferte die charmante und romantische Qualität, die im Vorsprechen fehlte.

Das Angebot beruhte damit auf mehreren sichtbaren Teilen einer Castingmappe, nicht nur auf der neuesten Datei. Drei Tage vor Drehbeginn in Madrid stoppte die Pandemie die Produktion. Während dieser Pause arbeitete O’Sullivan mit Schauspielcoach Greta Seacat und entwickelte vorhandene Ideen weiter. Das Coaching vertiefte die Rolle nach der Buchung; es war nicht Teil des Vorsprechens, das zum Angebot führte.

Praktische Übungen

Übung 1: der Belegtisch

Ziel

Trenne Aussagen des Drehbuchs von deinem ersten Eindruck.

Schritte

Lege die Seiten auf einen Tisch. Zeichne zwei Spalten mit den Titeln „Beleg“ und „Annahme“ und sortiere alle Notizen zu Status, Macht und Beziehungen. Verwandle drei Belege in spielbare Handlungsverben.

Ergebnis

Du erhältst ein kurzes Blatt, das zeigt, wo deine Interpretation auf dem Text ruht und wo du sie noch testen musst.

Übung 2: der Machttest

Ziel

Vergleiche zwei wirklich verschiedene Lesarten derselben Szene.

Schritte

Stelle einen Stuhl neben die Kamera und nimm den Ausschnitt zweimal auf. Im ersten Take suchst du die Zustimmung deines Gegenübers. Im zweiten bestimmst du das Tempo mit Blickkontakt, Stille und Haltung, ohne einfach lauter zu werden.

Ergebnis

Die beiden Clips liefern sichtbare Hinweise darauf, welche Fassung zum Machtgefüge der Szene passt.

Übung 3: die Materialprüfung

Ziel

Prüfe, ob deine Castingunterlagen mehr als eine Seite deines Spiels zeigen.

Schritte

Öffne dein Showreel und lege drei Karten unter den Bildschirm: Autorität, Verletzlichkeit und Charme. Notiere zu jeder Qualität einen passenden Ausschnitt und lass die Karte leer, wenn keiner passt. Baue keine gezwungene Montage, nur um die Lücke zu füllen.

Ergebnis

Du erkennst, was deine Mappe schon zeigt und welche Qualität ein künftiger Ausschnitt sinnvoll belegen könnte.

Drei häufige Fehler

  1. Ein Etikett statt der Situation spielen: Die Brust herauszustrecken, weil in der Rollenbeschreibung „Alpha“ steht, erzeugt ein Symbol und kein Machtverhältnis.
  2. Einen Take vor der Lektüre der verfügbaren Seiten senden: Ein sauberes Kamerabild repariert keine Annahme, der das Drehbuch widerspricht.
  3. Ältere Arbeiten verstecken: Ein Kurzfilm in deiner Castingmappe kann eine Qualität zeigen, die das heutige Self-Tape nicht verlangt.

Proben mit La Réplique

La Réplique ist eine Web-App, in die du Text oder ein PDF importierst und danach deine Rolle auswählst. KI-Stimmen lesen die anderen Figuren auf Französisch, Englisch, Spanisch, Deutsch oder Italienisch, während die Spracherkennung deine Zeilen validiert. Automatische Stichwörter und schrittweises Ausblenden unterstützen dich bei der Arbeit an den Seiten. Im Self-Tape-Studio kannst du einen Link zum Teilen erstellen und Aufrufe verfolgen. Die App ersetzt weder einen Coach noch einen menschlichen Spielpartner. Nutze den Leitfaden zur Vorsprechvorbereitung, den Self-Tape-Leitfaden und die Preise, wenn du deine nächste Kameraprobe vorbereitest.

Zusammenfassung

O’Sullivans Geschichte sagt nicht, dass Selbstvertrauen allein eine Rolle bringt. Sie zeigt eine klare Folge: Umzug nach New York, vorhandenes Showreel, Vorsprechen ohne Buchung, ein Angebot verändert den Druck, ein falsch ausgerichteter erster Versuch und danach das vollständige Drehbuch mit einem klareren Self-Tape. Lege eine Regel neben die Kamera: Lies alles Verfügbare, bestimme das Machtverhältnis und lass deine übrigen Unterlagen die Farben zeigen, die in der Szene fehlen.

Häufige Fragen

Bekam O’Sullivan Chauncey beim ersten Versuch?

Nein. Er hielt seine erste Version für zu albern und unbeholfen. Die erweiterte Suche in Großbritannien gab ihm eine weitere Chance, das vollständige Drehbuch auf den Tisch zu legen und die Figur neu aufzubauen.

Gab es einen Callback oder Chemietest?

Nein. Seine Agenten teilten ihm das Angebot nach dem Self-Tape am Telefon mit. Ein Callback oder Chemietest ist nicht dokumentiert.

Warum war Thumb Wars wichtig?

Adam Glass sah auf dem Bildschirm die charmante, romantische Qualität, die im Tape fehlte, während das Vorsprechen bereits Chaunceys schroffe Seite zeigte.

Coachte Greta Seacat ihn vor dem Vorsprechen?

Nein. O’Sullivan lernte sie während der Produktionspause kennen, nachdem er die Rolle bekommen hatte und bevor das Set in Madrid weiterarbeiten konnte.

Was nimmst du in dein nächstes Self-Tape mit?

Lies vor dem Einschalten der Kamera jede verfügbare Seite und notiere das Machtverhältnis. Nimm dann eine klare Interpretation auf, die dein Showreel ergänzt, statt sie zu wiederholen.

Quellen

Chronologie und zugeschriebene Aussagen stammen aus dem direkten Interview von Casting Networks mit Cillian O’Sullivan, das du neben deinem Drehbuch oder deinen Notizen auf dem Bildschirm öffnen kannst.